Transference Focused Psychotherapy Institut München
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Programm des Transference Focused Psychotherapy Institut M6uuml;nchen
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F1 am 30.06./01.07.2017

Forschung

 

Zur Wirksamkeit der Übertragungs-Fokussierten Psychotherapie (TFP) sind verschiedene wissenschaftliche Studien durchgeführt worden.

In einer ersten unkontrollierten Studie konnten Clarkin und Kollegen (2001) bei 17 Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung eine signifikante Verbesserung nach 12 Monaten TFP zeigen. Veränderungen wurden unter anderem in Häufigkeit und Schwere parasuizidaler Handlungen und Anzahl der Kriterien für die DSM-IV Diagnose der Borderline-Persönlichkeitsstörung nachgewiesen. Als weiterer Schritt in der empirischen Untersuchung der Therapiemethode haben Clarkin und Kollegen (2007; 2004b) in einer randomisierten und kontrollierten Studie die Wirksamkeit von TFP im Vergleich zur Dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) nach Linehan und zur Supportiven Psychotherapie nach Rockland (SPT) untersucht. Alle drei Therapieformen zeigten Verbesserungen in einer Vielzahl klinischer Variablen (Depression, Angst, allgemeines Funktionsniveau, soziale Anpassung), TFP und DBT bewirkten eine signifikante Verbesserung der Suizidalität, TFP und SPT waren mit Verbesserungen in den Bereichen  ?Wut? und ?Impulsivität? verbunden, und nur TFP verbesserte Reizbarkeit sowie verbale und direkte Angriffe (Clarkin et al., 2007). Weiterhin zeigte sich, dass nur in der TFPGruppe eine signifikante positive Veränderung im Bereich des Reflective Functioning nach Fonagy (1998) und des Bindungsstils (erfasst mit dem Adult Attachment Interview AAI; George, Kaplan & Main, 1985) von einer unsicheren zu einer sicheren Bindung erreicht wurde (Levy et al., 2006). Die letztgenannten Ergebnisse deuten darauf hin, dass mit der TFP-Methode strukturelle Veränderungen beim Patienten erreicht werden können.

Weiterhin wurde in einer randomisierten Vergleichsstudie von Giesen-Bloo und Kollegen (2006) gezeigt, dass TFP in einem Zeitraum von drei Jahren Psychopathologie und klinische Symptome signifikant reduzieren konnte. In dieser Studie erwies sich jedoch die Schemafokussierte Therapie nach Young als wirkungsvoller, was möglicherweise auch auf methodische Mängel bei der TFP-Behandlung zurückzuführen ist, etwa in Fragen der Manualtreue und Supervision bei den TFP Therapeuten (siehe Yeomans, 2007).

In einer deutsch-österreichischen Multicenter-Studie (Doering et al., 2010) wurden in einem randomisiert-kontrollierten Design insgesamt 104 Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung mit TFP bzw. Therapie von erfahrenen Psychotherapeuten (Experienced Community Psychotherapists) behandelt. Die TFP-Therapeuten wurden aus Therapeuten, die im TFP-Curriculum in München und Wien ausgebildet worden waren, rekrutiert und regelmäßiger Supervision unterzogen. Die TAU-Therapeuten hatten verschiedene therapeutische Ausrichtungen, jedoch keine Borderline-spezifische Zusatzqualifikation. Die teilnehmenden Patientinnen wurden hinsichtlich ihrer Repräsentativität für Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung untersucht, indem sie mit den Patientinnen verglichen wurden, die die Teilnahme ablehnten. Die Ergebnisse zeigen bezüglich der Borderline-spezifischen Psychopathologie keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen und stellen somit einen befriedigenden Befund zur externen Validität der Studie dar (Rentrop et al., 2010). Die Ergebnisse dieser Studie (Doering et al., 2010) zeigen, dass nach einem Jahr Psychotherapie in der TFP-Gruppe signifikant weniger Behandlungen abgebrochen wurden, sowie weniger Suizidversuche unternommen wurde. Bei Patienten in der TFP-Gruppe zeigte sich signifikant überlegen in der Reduktion der Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung, Verbesserung des psychosozialen Funktionsniveaus, der Persönlichkeitsorganisation nach Kernberg (erfasst mit der deutschen Version des Strukturierten Interviews zur Persönlichkeitsorganisation STIPO von Clarkin und Kollegen, 2004a; vgl. Buchheim et al., 2006; Hörz et al., 2010)  und Reduktion von psychiatrischen stationären Behandlungen.  In beiden Gruppen konnte eine signifikante Verbesserung in den Bereichen Depression, Angst gefunden werden, ohne signifikante Gruppenunterschiede. Die Anzahl der Selbstverletzungen veränderte sich in keiner der Gruppen statistisch signifikant.

Die manualisierte psychodynamische Übertragungs-Fokussierte Psychotherapie und die Instrumente, die im Kontext des Modells von Otto Kernberg entwickelt wurden, werden in mehreren empirischen Studien erforscht (Doering & Buchheim, 2005). Die Ergebnisse zeigen die Wirksamkeit des Verfahrens nach ein bis drei Jahren Therapie. Wichtig für zukünftige Forschungsprojekte ist die Untersuchung der Veränderungsmechanismen und des therapeutischen Prozesses. Weiterhin sind langfristig angelegte Follow-Up Untersuchungen notwendig, um anhaltende Therapieeffekte beurteilen zu können. Auch die Passung zwischen Patient und Therapeut sollte sorgfältig untersucht werden, um Aussagen darüber treffen zu können, welches therapeutische Verfahren für welchen Patienten mit welchem Therapeuten wirkt.


Buchheim, P., Clarkin, J. F., Kernberg, O. F., & Doering, S. (2006). Das Strukturelle und das Strukturierte Interview zur psychodynamischen Diagnostik der Persönlichkeitsorganisation. Persönlichkeitsstörungen, 10, 43-54.

Clarkin, J. F., Foelsch, P. A., Levy, K. N., Hull, J. W., Delaney, J. C., & Kernberg, O. F. (2001). The development of a psychodynamic treatment for patients with borderline personality disorder: a preliminary study of behavioral change. Journal of Personality Disorders, 15, 487-495.

Clarkin, J. F., Levy, K. N., Lenzenweger, M. F., & Kernberg, O. F. (2007). Evaluating three treatments for borderline personality disorder: A Multiwave Study. American Journal of Psychiatry, 164, 922-928.

Clarkin, J. F., Caligor, E., Stern, B. L., & Kernberg, O. F. (2004a). Structured Interview of Personality Organization (STIPO). Unpublished Manuscript. Personality Disorders Institute, Weill Medical College of Cornell University, New York. (Deutsche Übersetzung von S. Doering, Universität Münster,

Clarkin, J. F., Levy, K. N., Lenzenweger, M. F., & Kernberg, O. F. (2004b). The Personality Disorders Institute/Borderline Personality Disorder Research Foundation randomized control trial for borderline personality disorder: rationale, methods, and patient characteristics. Journal of Personality Disorders, 18, 52-72.

Doering, S. & Buchheim, P. (2005). Transference-Focused Psychotherapy. Eine psychodynamische Psychotherapie zur Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen. PDP Psychodynamische Psychotherapie Forum der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie, 4, 233-238.

Doering S, Hörz S, Rentrop M, Fischer-Kern M, Schuster P, Benecke C, Buchheim A, Martius P, Buchheim P. (2010). Transference-focused psychotherapy v. treatment by community psychotherapists for borderline personality disorder: randomised controlled trial. Br J Psychiatry; 196, 389-95.

Fonagy, P., Target, M., Steele, H., & Steele, M. (1998). Reflective-Functioning Manual for Application to Adult Attachment Interviews (Version 5.0) . London, University College London, 1998.

George, C., Kaplan, N., & Main, M. (1984). (1984/1985/1996). Attachment interview for adults. Unpublished manuscript. University of California, Berkeley.

Giesen-Bloo, J., van, D. R., Spinhoven, P., van, T. W., Dirksen, C., van, A. T., Kremers, I., Nadort, M., & Arntz, A. (2006). Outpatient psychotherapy for borderline personality disorder: randomized trial of schema-focused therapy vs transference-focused psychotherapy. Archives of General Psychiatry, 63, 649-658.

 Hörz S, Rentrop M, Fischer-Kern M, Schuster P, Kapusta N, Buchheim P, Doering S (2010). Strukturniveau und klinischer Schweregrad der Borderline Persönlichkeitsstörung. Z Psychosom Med Psychother; 56: 136-149.

Levy, K. N., Meehan, K. B., Kelly, K. M., Reynoso, J. S., Weber, M., Clarkin, J. F., & Kernberg, O. F. (2006). Change in attachment patterns and reflective function in a randomized control trial of transference-focused psychotherapy for borderline personality disorder. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 74, 1027-1040.

Rentrop, M., Martius, P., Baeuml, J., Buchheim, P., Doering, S., & Hörz, S.: An RCT for Patients with Borderline Personality Disorder: Who is Willing to Participate, Who Not? Psychopathology 2010;43:369-372

Yeomans, F. (2007). Questions Concerning the Randomized Trial of Schema-Focused Therapy vs Transference-Focused Psychotherapy. Archives of General Psychiatry, 64, 609-610.


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