Transference Focused Psychotherapy Institut München
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Programm des Transference Focused Psychotherapy Institut M6uuml;nchen
Aktuelle Termine:
F2 am 06./07.10.2017

Forensikseminar 2017

 

In Kooperation mit der Internationalen Assoziation für Forensische Psychotherapie 

Täuschen, Lügen, Erfinden – narrative Konstruktionen und Forensische Psychotherapie

01./02. Dezember 2017



 
Referenten:

 

Dr. biol.-hum. Dipl.-Psych. Markus G. Feil
Psychoanalytiker (DPG, DGPT), Psychotherapeutische Fachambulanz für Gewalt- und Sexualstraftäter, Evangelisches Hilfswerk München gemeinnützige GmbH

 

Dipl.-Psych. Tilman Kluttig
Leitender Psychologe, Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie des Zentrums für Psychiatrie Reichenau, Konstanz

Prof. Dr. rer. soc. Franziska Lamott
Diplomsoziologin, Gruppenlehranalytikerin, Supervisorin und Organisationsberaterin (D3G, DGSv), Berlin/Potsdam


Dr. phil. Dipl.-Psych. Mathias Lohmer
Psychoanalytiker (DPV, DGPT) und Organisationsberater, Supervisor und Dozent des TFP-Institutes München 

 

Dr. med. Corinna Wernz
Psychoanalytikerin (DPG), Lehranalytikerin an der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München, Supervisorin und Dozentin am TFP-Institut München

 

Literatur: Lackinger, F., Dammann, G., Wittmann, B. (Hrsg.) (2008). Psychodynamische Psychotherapie bei Delinquenz. Stuttgart: Schattauer.




„Fake news“ und „alternative facts“ sind Alltagsphänomene in forensischen Einrichtungen. Täuschen, Lügen, Manipulieren und Erfinden sind gängige Strategien im Alltag der totalen Institution, sie dienen den Patienten und Insassen qua Abwehr und Selbststabilisierung einer fragilen Identität. Winnicott sprach in „Reifungsprozessen und fördernde Umwelt“ vom falschen Selbst als Ichverzerrung, um „das wahre Selbst zu verbergen und zu beschützen, was immer dieses auch sein mag“. In diesem Seminar beleuchten wir die Seite der Erfinder und Täuscher, aber auch den Effekt auf die Behandler, Teams und Organisationen. Wir fragen uns nach der Funktion und Bedeutung dieser psychischen und kommunizierten Selbst-Konstruktionen für die Konstrukteure. Welche Narrative entwerfen Straftäter von ihren Taten und sich als Tätern? Welche Narrative erzeugen Behandler und Institutionen von sich und den Tätern? Welche Bedeutung kommt der „Wahrheit“ in der forensischen Psychotherapie und einer gelungenen Resozialisierung zu, und wie wird diese erzeugt? Wie viel Wahrheit verträgt die forensische Psychotherapie und kann die Wahrheit auch riskant sein?

Im Referat über Abwehrmechanismen und Manipulationen sollen Wirklichkeitskonstruktionen und Täuschungsversuche aus der Psychodynamik und Position der Täter und Patienten heraus untersucht werden. Wie können Betrugsversuche und biografische Konstruktionen und Abwehrmechanismen unterschieden werden, und wie werden sie in der Psychotherapie angesprochen? Das Referat über die Auswirkungen von Täuschung und Betrug untersucht die Reaktionen therapeutischer Teams darauf: Wie können therapeutische Teams ihre narzisstische Balance angesichts von Täuschung und Betrug erhalten bzw. wieder herstellen? Welche Grenzen und Möglichkeiten gibt es im therapeutischen Setting, Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu erhalten? Im Referat über Tat-Narrative und lebensgeschichtliche Entwürfe werden Erzählweisen, Darstellungsformen und Selbstpositionierungen von Tätern im Hinblick auf individuelle und interpersonale Abwehrstrategien untersucht. Das Referat über die „Unwilligen“ fokussiert auf die Arbeit mit Tätern, die sich einer Behandlungsauflage widersetzen, ihre Delinquenz zumindest teilweise bestreiten, die Verurteilung als Unrecht erleben oder gar gänzlich in Frage stellen. Welche Möglichkeiten außer der „Kapitulation“ gibt es, mit diesen Patienten in einen (selbst-)kritischen Dialog zu kommen, in dem evtl. eine therapeutische Perspektive entwickelt werden kann?

Im schon bewährten Format dieses 6. Seminars seit 2012 folgen den Kurzvorträgen Diskussionen und Fallgruppen, in denen die Teilnehmenden eigene Fälle und institutionelle Erfahrungen einbringen und die Leitenden diese unter Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen konzeptuellen Vorstellungen mit der Gruppe diskutieren können.

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